Nu grade
Wie oft geht uns was schief im Lähm.
Doch därf mer das so schwär nich nähm
un jammern laut: »Wie schade!«
Ärscht rächt schbornt das de Gräfte an,
un frisch befeiert ruft mer dann:
»Nu Grade«
Wenn alles glabbte in dr Welt,
so wie mer sich's hat vorgeschtellt,
's wär mit dr Zeit rächt fade.
Aus Hindernissen schbät un frieh
wächst frehlich-fräche Enerchie.
»Nu Grade«
Gemeene Mänschen reich an Zahl
dräächt unsre Erde nu eemal
in jederlei Formade.
Doch jedes Been, das mir geschtellt,
das bracht mich weiter uff dr Welt.
»Nu Grade«
Lene Voigt, 1928 (sächsische Mundartdichterin und Schriftstellerin, 1891-1962) |